„Mining“- Serie Teil 4: Die Beschaffung der Mining Hardware

In den beiden letzten Artikeln dieser Serie ging es um den Vorgang des Krypto-Mining, einigen ausgewählten Kryptowährungen und deren Verschlüsselungsalgorithmen sowie der möglichen Mining Hardware selbst. Zuletzt möchten wir das Thema Beschaffung und deren Probleme ansprechen, da es als Erstes für Frust sorgen wird.

Benötigst Du für die Beschaffung eines Miners vorab ein Konzept?

Nachdem Du als Leser meiner ersten drei Artikel nun Lust auf einen Miner bekommen hast, wäre zu klären, was Du erreichen möchtest? Möchtest Du nur einfach einen bestimmten oder mehrere Coins minen, Geld nebenher dazu verdienen oder gar eine Farm aufbauen?
Jetzt antwortest Du: natürlich alles und vor allem Geld verdienen.

Jetzt sind wir bereits an einem kritischen Punkt angekommen, da diese Anforderungen alles bei der Beschaffung eines Miners von Dir fordert. Wenn Du ein Erstkäufer eines Miners bist, würde ich Dir zunächst von einem ASIC abraten. Warum? Die Investition ist anfangs hoch, oft mehrere tausend Euro Startkapital sind erforderlich (zunehmend derzeit manchmal ruinös), und bei derartig spezialisierten Geräten mit begrenztem Einsatzgebiet ggfs. eine Fehlinvestition, weil Du nicht alle Fakten und Entwicklungen des Marktes kanntest. Zudem lockt es Dich aufgrund der allgemein hohen Nachfrage schnell auf Angebote von Betrugsseiten im Internet (englisch: Scam-Sites, Fraud-Sites). Dazu später mehr in diesem Artikel.

Ein ausbaubares Mining-Rig-Chassis mit einem z.B. Windows 10 Betriebssystem machen Dir den Start finanziell und von der Beschaffungslage eventuell einfacher, ein Miner zu werden.

Mining Rig

Außerdem ist seit dem Einstieg des „Mainstreams“ ins Mining im Jahre 2017 eine nie dagewesene Nachfrage nach ASIC-Minern und Mining Equipment entstanden, die die Preise auch bei Herstellern ständigen Veränderungen unterwarfen. Das macht die Planung im Mining ohne guten Rat zum Glücksspiel.

Also bei der Beschaffung solltest Du Dir Ziele setzen, die Du erreichen möchtest, bevor Du Dich auf dem Markt umschaust:

  • Ziel 1: Bis wann willst Du dabei sein?
  • Ziel 2: Wieviel Geld kannst Du dafür bereitstellen?
  • Ziel 3: Was möchtest Du bis wann erreichen (Ertragsziel oder Anzahl Coins)?

Beim ersten Ziel, dem Faktor Zeit, ist es maßgeblich, wieviel Geld Du bereitstellen kannst: Zeit ist eben Geld. Der Minermarkt ist aktuell ein Anbietermarkt, d.h. die Anbieter haben eine gewisse Vormachtstellung und können zum Teil Preise diktieren. Dies ist erstmal für viele Nachfrager neu, weil unsere mit Produktangeboten überschütteten Märkte eben Nachfragermärkte sind. Auf diesen kann der Kunde den Preis maßgeblich durch seine Nachfrage bei einem Überangebot beeinflussen.

Für viele Erstkäufer bei uns war dies erstmal ein Schock. Dein Lieferant bestimmt die Konditionen, da dieser die Ware schnell beschaffen kann bzw. Lagerware hat. Letzteres ist immer nur in kleinen Mengen der Fall, weil Miner – vor allem ASICs – bereits um Monate im Voraus durch die Hersteller verkauft werden (englisch: Pre-Order). Jetzt kommt hinzu, dass dieser Markt, wie viele andere Märkte, ungewissen Einflüssen unterliegt:

  • Kurs-Entwicklung der Kryptowährungen, dessen Algorithmen der Miner abdeckt
  • Technische Entwicklung bei der Chip-Produktion (16nm, 14nm, 10nm und 7nm)
  • Produktionsmonopol in China, ungeregelter Zwischenhandel und Schwarzmarkt

Also alles in allem, verdient die Anschaffung eines Miners ein gutes Konzept, was übrigens zu Dir als Person passen muss, weil der Einstieg ins Mining bedeutet, ein Risiko einzugehen! Unsere in Deutschland nicht unbedingt für Risiko-Bereitschaft bekannte Gesellschaft möchte Ihre Sicht der Dinge auf diesen Markt übertragen, was einfach nicht funktioniert.

Kryptowährungen sind und werden in den kommenden 10 Jahren sehr volatile und unberechenbare Märkte bleiben, weil damit zu rechnen ist, dass Staaten und ähnliche Organisationen Ihren Stempel aufdrücken werden. Allein politische Entscheidungen, wie auch immer diese aussehen werden, gereichen solchen Märkten nicht zur Blüte. Dies ist mit freien Märkten leider immer geschehen und wirkt sich somit auch auf Deine Investition aus.
Ich rate also bei der Miner Beschaffung, Deine finanziellen Spielräume nicht zu gefährden:

Setze nur das Geld ein, dessen Verlust Du verschmerzen könntest!

Wo kaufe ich meinen Miner: Hersteller, Händler oder privat?

Ihr meint, dass die Frage blöd ist: natürlich im Internet!

Ja, dem ist wohl so, aber hier liegt genau das Problem. Die Hauptanbieter / Hersteller (in meinem letzten Artikel („Mining Serie – Teil 3“) in einer nicht vollständigen Tabelle mit Domains aufgelistet) haben eigene Websites, von denen sie ihre Hardware vertreiben. In den meisten Fällen, kann jeder hier als Einkäufer tätig werden und Ware bestellen.

Kaufen bei Herstellern?

Unbedingtes ja, allerdings benötigst Du dafür Sachverstand, den aber nicht jeder mitbringt.

Es gibt allerdings ein paar Stolperfallen, die Du zuvor kennen solltest:

  • Bezahlt wird grundsätzlich bei Bestellung im Voraus ohne Sicherheiten, oft in bestimmten Kryptowährungen mit mehreren Monaten Vorlauf, die Zahlung hat innerhalb einer halben oder einer Stunde zu erfolgen. Dies kann kompliziert werden, wenn Du vorab nicht bereits in die nachgefragte Kryptowährung getauscht hattest bzw. jetzt aufgrund des Kryptowährungskurses Dir eine kleine Menge Coins fehlen. Preise der Geräte sind oft in US Dollar angegeben, es fallen zudem später bei der Bestellung noch Kosten für eine Stromversorgung (englisch: PSU = Power Supply Unit) und Frachtkosten (englisch: Shipping Costs) an. Bei Einfuhr des von Dir importierten Miners fällt dann zudem noch eine Abwicklungsgebühr durch den Paketdienst (UPS, DHL oder andere) und zuletzt die oft im Netz fälschlich als „Zoll“ bezeichnete Einfuhrumsatzsteuer an. Diese ist so hoch, wie die jeweilige Umsatzsteuer / Mehrwertsteuer des Landes, in das Du Deinen Miner einführst / importierst, also für DE wären das 19% auf die in der Einkaufsrechnung (englisch: Commercial Invoice) in US Dollar zum entsprechenden täglichen Gegenwert deklarierten Rechnungssumme. Tatsächlich gibt es auf elektronische Artikel dieser Art mit Ursprungsland China für die EU keine Einfuhrbeschränkungen und auch keinen Zoll. Du solltest Dich also gut vorbereiten und richtig kalkulieren.
  • Die Vertriebszeiten der Hersteller (es wird ge-„twittert“) sind unregelmäßig und die Stapelverkäufe (englisch: Batch) schnell in wenigen Minuten abverkauft. Zudem sorgen Zwischenhändler oft mit sehr großen Bestellungen zur künstlichen Verknappungen und damit dem vorzeitigen Ausverkauf der Batch.
  • Da die Hersteller fast alle in China, genauer in der SEZ (englisch: Special Economic Zone) von Shenzhen Ihren Sitz haben bzw. dort herstellen lassen, gibt es ein eingeschworenes Anbieteroligopol. Es findet zwar Wettbewerb statt, allerdings wirkt sich dieser aufgrund der hohen Nachfragemengen nur dürftig auf Preise aus.

Wenn Du nun beim jeweiligen Hersteller, bei denen Du i.d.R. auf Lieferung vertrauen und zum günstigsten Preis kaufen kannst, nicht fündig geworden bist, wirst Du Dich auf ein Minenfeld von Händlern, Privatverkäufern und Betrügern begeben müssen. Hier kann Dein erster großer Verlust bereits beginnen.

 

Kaufen bei Händlern?

Händler sind i.d.R. Zwischenhändler, da es aufgrund der Direktvermarktung über Websites eigentlich keinen kontrollierten und gesteuerten Zwischenhandel mehr gibt. Hier liegt aber genau das Problem, weil jeder wiederum Händler sein kann. Es gilt dabei von Dir zu entscheiden, ob ein Händler in Asien bzw. in Europa oder gar nur Deutschland in Frage kommt.

Ob Du dort kaufen wirst, liegt in Deinem Ermessen. Aber prüfe ein paar Fakten, bevor Du bestellst:

  • Gibt es zum Webshop oder Angebot im Netz eine tatsächlich existierende Firma mit Handelsregisternummer, Steuernummer, Telefonnummer, Ansprechpartner, Unterstützung (englisch: Support)?
  • Prüfe, ob das Angebot zur jeweiligen Marktlage realistisch ist (Preis ggf. zu niedrig)?
  • Prüfe Infos (Blogs etc.) aus dem Netz, wobei die oft auch mit Vorsicht zu begegnen sind, da Betrüger diese Blogs bereits seit Jahren unter anonymen Konten beeinflussen. Im Netz gibt es auch viel Geschwätz (englisch: Gossip), was man also nicht immer als die Wirklichkeit oder eindeutige Wahrheit ansehen kann.
  • Grundsätzlich halte ich Zahlungsabwicklungsformen allein nicht für erklärend, ob ein Händler seriös ist oder nicht:

Paypal ist zwar beliebt, aber nur bedingt sicher und kostet die Händler und damit Dir
eine Menge Geld, da die Auftragswerte in die Höhe schnellen, wofür Paypal nicht
gedacht war.
Kreditkartenaktionen sind okay, aber auch bei der Auftragshöhe für Dich oft einfach nicht ausführbar.
Banküberweisung auf ein europäisches Konto im Rahmen von Vorkassen sind höchst umstritten und werden Dir die eine oder andere Möglichkeit einer Sicherheit bieten, weil bei seriösen Firmen hier ein Rückforderungsrecht existiert, was sich auch durchsetzen lässt. Zudem wird es echten Betrügern nicht so einfach gelingen, Fake-Bankkonten unter dem Namen einer eingetragenen Firma zu eröffnen und die Banken heute auch ein scharfes Auge auf diese Art von Geschäften hat (englisch: Due Diligence). Zudem ist es die günstigste Abwicklungsmöglichkeit für beide Seiten und eigentlich bei Geschäften dieser Größenordnung durchaus normal.
Barzahlung bei Abholung ist eine vermeintlich sichere Form beim Kauf eines Miners, aber von den echten Praktikern nicht seriös eingeschätzt und das liegt an Folgendem:

a) Unternehmen haben heute oft kein Interesse an Barabwicklungen in derartigen Größenordnungen, weil sie erweiterte Sicherheitsmaßnahmen in Bezug auf Diebstahl / Raub usw. treffen müssen.

b) Bei entsprechenden Summen ohne Herkunftsnachweis und/oder unbekannten Kunden macht sich ein Unternehmen immer einer potentiellen Beihilfe zur Geldwäsche verdächtig, wenn diese Gelder angenommen werden.

c) Es ist viel Falschgeld in der EU unterwegs und birgt somit für den unbedarft zahlenden Kunden wie auch für den Empfänger der Zahlung, Risiken der Weitergabe von Falschgeld (Straftat) in großen Mengen. Auch Geldautomaten verbreiten Falschgeld, natürlich unabsichtlich, aber es geschieht täglich.

d) Das aber wohl entscheidende Argument ist, dass heutzutage das Herumtragen von mehreren tausend Euro von A nach B mit Wissen eines unbekannten Zahlungsempfängers wohl kaum noch eine anzuratende Aktion ist. Deine Sicherheit an Leib und Leben setzt Du dabei aufs Spiel!

Zahlung in Kryptowährungen halte ich für den einfachsten Weg, Dein Geld loszuwerden, es sei denn, Du befindest Dich beim Händler, hast die Hand auf der Ware und verschickst gerade die Zahlung. Allerdings werden seriöse Handelsfirmen diesen Weg nur bedingt beschreiten, da es in Europa auch hier Geldwäscheprobleme geben kann und vor allem die Kursschwankungen bei einigen Kryptowährungen derzeit den Handel extrem schwer kalkulierbar machen.

Kaufen von Privat?

Dieses Thema ist ein ganz heißes Eisen, da Du oft nicht weißt, ob „privat“ auch wirklich privat ist. Eigentlich verstehe ich dabei, dass jemand seinen gebrauchten Miner für einen seriösen Verkaufspreis im Netz einstellt und an einen anderen privaten Nutzer verkaufen will. In diesem Fall ist das Geschäft nach den Regeln eines solchen Geschäfts (Gebrauchtware) mit entsprechender Vorsicht durchaus sinnvoll. Zahlungsmodalitäten können hier einfacher, weil bei Übergabe geregelt werden, wobei ihr auch hier meinen Tipp zum Thema Bargeld nicht vergessen solltet.

Meiner Erfahrung nach, gibt es aufgrund der im oberen Teil des Artikels beschriebenen Marktfaktoren (Anbietermarkt) auch einen sehr aktiven „Schwarzmarkt“ im Netz. Hier lauern die meisten Gefahren, da Du es mit unbekannten „Privatleuten“, die das Finanzamt und alle anderen Institutionen scheuen und deshalb im Verborgenen arbeiten, oder anderer versteckter Risiken zu tun bekommst. Sie bieten oft „Neuware“ in Mengen an, die untypisch für das zuvor beschriebene private Gebrauchtwarenverkaufsgeschäft sind. Oft sind auch nur Verträge (Bestellungen) auf ASICs in der Zukunft oder gar Rabatt Coupons im Angebot.

Handel in allen Ehren, aber in DE ist ein Handel mit gewerbsmäßiger Gewinnerzielungsabsicht, also nach drei Verkaufsgeschäften gleicher Art, als Gewerbe anzusehen und beim entsprechenden Gewerbeamt und Finanzamt vom Betreiber anzuzeigen. Das hat übrigens viele Gründe neben der Besteuerungsabsicht durch den Staat. Warum diese Anbieter dem nicht nachkommen, kann viele Gründe haben (keine Umsatzsteuerabführung, keine Garantie, keine Rücknahmeverpflichtungen, Umgehung von Verbraucherrechten etc.). Allerdings sind diese Angebote meiner Meinung nach nicht als seriös anzusehen und können somit bei Dir zu Problemen führen, die Du eigentlich nicht wolltest. Man könnte jetzt sagen, dass zukünftige Miner, die sich eh in einer derzeitigen Grauzone befinden, das wohl kaum interessieren mag, was der Staat dabei für legitime Interessen verfolgt. Da allerdings wohl auf diesem Weg die meisten Betrugsgeschäfte stattfinden, läufst Du hier besonders Gefahr, Geld zu verlieren bzw. anderweitig Schaden zu nehmen. Laufe dann nach erfolgtem Betrug aber auch nicht wieder zum Staat, z.B. der Polizei, und wünsche Dir Unterstützung und Ausgleich Deines erfahrenen Unrechts.

Also gilt: Hirn einschalten und Vertrauen vor einer geschäftlichen Transaktion schaffen und einem vermeintlichen Zeitdruck beim Kauf widerstehen. Das ist der natürlichste Schutz vor Betrug und hat sich in vielen tausend Jahren Handel bewehrt.

Wie erkennst Du Scam-Sites / Fraud-Sites bzw. Fake-Angebote?

Zum Schluss möchte ich nochmals kurz zusammenfassen, was Du auf jeden Fall nicht tun solltest, wenn Du Dir einen Miner im Netz beschaffst:

  • Angebote von Händlern nutzen, die nur in Bitcoin und Co bezahlt werden wollen und dass bei Vorkasse. Hier ist Vorsicht geboten, vor allem, weil außerhalb des europäischen Auslands Klagemöglichkeiten sehr eingeschränkt sind, und meist teurer als der zu erwartende Erfolg. Es gibt kein seriöses Unternehmen, das Rechnungen in Bitcoin und Co ausstellt, da es die Rechnungslegung derzeit weltweit (noch) verbietet. Es sollte daher immer eine klare und bekannte Währung auf der Rechnung ausgeworfen sein, eine Steuernummer sowie eine korrekte Firmierung mit Rechtsform beinhalten.
  • Fakeshops mit fiktiven Unternehmensnamen ohne Impressum, ohne erreichbare Telefonnummern, ohne Adressen sind ebenfalls verdächtig. Selbst, wenn Impressumspflichten außerhalb der EU viel kleiner ausfallen als hier zu Lande, ist ein Anbieter ohne klare Unternehmensbezeichnung auf einer Website – meiner Meinung nach – kein seriöser Anbieter (eine Liste von bekannten Fakeshops liegt der Redaktion vor).
  • Privatanbieter, die oft Miner verkaufen und somit als Schwarzmarkthändler fungieren, gibt es reichlich im Netz. Allerdings gibt es dort neben den liefernden Privathändlern auch viele Betrüger (englisch: Scammer). Wenn Du Dich auf diesen Markt begibst, solltest Du wissen, worauf Du Dich einlässt.

Da wir Dich zum Schluss vielleicht mit vielen konkreten Fragen aus diesem Artikel zurücklassen, kannst Du vielleicht unsere Blogfunktion nutzen, um einen ggfs. interessanten Rat zu bekommen. Mir persönlich liegt auch eine lange – nicht erschöpfende – Liste von Scamsites vor, die Du bei uns abfragen kannst. Aus redaktionellen Gründen haben wir diese nicht veröffentlicht.

Im letzten Teil unserer Mining Serie geht es um die Mining Szene in Shenzhen, China, und eine im Januar 2018 dorthin stattgefundenen Geschäftsreise.