Teil 2: Wie viel Kapital wurde bisher tatsächlich in den Kryptomarkt investiert?

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Marktkapital und Nettozufluss Krypto

Im ersten Teil unserer Serie zum Thema Marktkapitalisierung haben wir erklärt, wie die Marktkapitalisierung berechnet wird, was sie bedeutet und wie sie zu bewerten ist. Im nächsten Schritt haben wir die alternative Kennzahl „Net Inflow“ eingeführt und dessen Bedeutung erklärt. Im heutigen Teil 2 der Serie zum Thema soll es darum gehen, ob ermittelt werden kann, wie viel Kapital bisher wirklich in den Kryptowährungsmarkt geflossen ist und welche Schlussfolgerungen daraus gezogen werden können.

Im ersten Teil der Serie haben wir festgestellt, dass „real“ in den Krypto-Markt viel weniger Kapital geflossen ist, als die Marktkapitalisierung suggeriert. Geld fließt nämlich nur dann in den Markt, wenn ein Investor die Währung kauft und per Fiat-Währung bezahlt (englisch: Net Inflow). Der Hauptgrund für die Differenz zwischen Marktkapitalisierung und Net Inflow ist, dass die meisten im Umlauf befindlichen Coins zu einem viel niedrigeren Preis gekauft wurden.

Wie hoch ist  der Net Inflow in den Kryptowährungsmarkt?

Eines vorweg: Eine nachgewiesene und messbare Zahl zum Net Inflow gibt es nicht. Wenn man das Internet durchsucht, findet man lediglich eine einzige Studie zu diesem Thema. Diese wurde im Dezember 2017 von JP Morgan veröffentlicht und stammt von dem Zeitpunkt, als die Gesamtmarktkapitalisierung bei rund 300 Milliarden Dollar lag. Leider ist die Studie selbst nicht öffentlich zugänglich bzw. im Internet auffindbar. Als Quelle dient daher nur ein Artikel des Nachrichtenportals zerohedge von Anfang Dezember 2017.


Zum Zeitpunkt der Studie soll der Net Inflow bei rund 6 Milliarden US-Dollar und damit nur 2 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung gelegen haben! Ob diese Zahl tatsächlich stimmt, kann nicht nachgeprüft werden. Die hierfür notwendigen Zahlen werden nicht erhoben.

JP Morgan hat seine Berechnung des Net Inflow auf die jährliche Änderung des Total Supply von Bitcoin und Ethereum, multipliziert mit dem durchschnittlichen Jahrespreis für einen BTC bzw. ETH, gestützt. Im Ergebnis ist folgende Grafik entstanden. (Die Zahlen auf der X-Achse stellen die Jahre 2009 – 2017, die Y-Achse den Net Inflow in Millionen USD dar.)

Net Inflow Bitcoin Ethereum
Quelle: https://www.zerohedge.com/news/2017-12-02/jpmorgan-has-some-bad-news-bitcoin-bears

Der kumuliert Wert beläuft sich seit 2009 auf rund 6 Milliarden US-Dollar, wobei laut der Schätzung rund 4,2 Milliarden USD über Bitcoin und der Rest über Ethereum in den Kryptowährungsmarkt geflossen sind. Inwieweit „Direktkäufe“ von anderen Kryptowährungen (insbesondere in 2017) eine Rolle gespielt haben, wurde nicht untersucht.

Sofern JP Morgan mit seiner Schätzung richtig liegt, sind die Implikationen überwältigend: Entgegen der Erwartung, dass die Marktkapitalisierung von Bitcoin und Ethereum eine grobe Reflektion der Kapitalzuflüsse in den Kryptowährungsmarkt ist, besteht eine große Differenz. Lediglich 2 Prozent der Gesamtmarktkapitalisierung könnten an Kapital in den Kryptowährungsmarkt geflossen sein.


Wie bereits im ersten Teil Serie betont, ist es daher aus unserer Sicht unerlässlich ein Verständnis für den Unterschied zwischen dem Begriff der Marktkapitalisierung und dem Net Inflow zu haben, um Ereignisse am Markt richtig einschätzen zu können.

Sollte der Wert stimmen, zeigt dies aus unserer Sicht, dass der Kryptowährungsmarkt noch immer in den Kinderschuhen steckt. Die 6 Milliarden US-Dollar Net Inflow für Kryptowährungen (seit 2009) sind in Bezug zu den Nettozuflüssen in 2017 für Aktienfonds / ETFs (281 Mrd. USD), Rentenfonds (346 Mrd. USD), globale Geldmärkte/ USA (145 Mrd. USD) und Rohstoffe (8,6 Mrd. USD) nur ein Bruchteil des weltweiten Kapitalflusses.

Sobald neues Kapital, insbesondere von institutionellen Investoren in den Kryptowährungsmarkt fließt, könnten die bisherigen Kursanstiege erst der Anfang gewesen sein. Hierfür sind wahrscheinlich aber auch weitere regulatorische Maßnahmen erforderlich, um den Institutionen einen gesetzlichen Rahmen zu geben. Insofern ist und bleibt 2018 sehr wahrscheinlich ein interessantes Jahr für den Kryptowährungsmarkt.


Disclaimer: — Der Handel mit Kryptowährungen birgt ein großes finanzielles Risiko und kann bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen. Coin-hero.de stellt keine Anlageberatung und Empfehlung im Sinne des Wertpapierhandelsgesetzes (WpHG) dar. Die Webseiteninhalte dienen ausschliesslich der Information und Unterhaltung der Leser. Die hier getroffenen Aussagen stellen lediglich unsere eigene Meinung und keine Kaufempfehlung dar. Bitte unternehmen Sie auch eigene Recherchen bevor Sie in Kryptowährungen investieren. Wir übernehmen keinerlei Haftung für jegliche Art von Schäden. Bitte lesen Sie auch unseren Haftungsausschluss im Impressum. —

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2 KOMMENTARE

  1. Sehr interresanter Artikel. Hatte nicht gewusst das so wenig net inflow im Cryptomarkt besteht. Ich dachte wirklich das der coin Preis direkt das wirkliche Kapital wiederspiegelt was drinsteckt. Dann sind wir, also die Kleinanleger die wirklich bei Coinbase einkaufen wahrscheinlich die einzigen „Blöden“ die für den Inflow verantworlich sind! Die anderen sind nur Trittbrettfahrer und sahnen ordentlich ab! Ich glaub schon das eine Regulierung dieses Marktes für die Zukunft unumgänglich ist, denn die Manipulation die wir in diesem Markt sehen wäre im Börsenmarkt strikt illegal und man würde dafür ohne Umschweife ins Gefängniss kommen.

  2. Vielen Dank für den Artikel!
    Das ist eine Frage, die ich mir auch schon gestellt hatte und auf die ich bisher keine gute Antwort gefunden habe.

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