Offiziell: Ethereum ist kein Wertpapier – SEC bricht sein Schweigen

Die SEC hat gestern während des Yahoo Finance-Gipfels erklärt, dass Ethereum kein Wertpapier im Sinne des amerikanischen Bundesgesetzes ist. Nachdem der Vorsitzende der SEC, Jay Clayton, zuletzt unmissverständlich ausdrückte, dass alle durch ICOs ausgegebenen Kryptowährungen Wertpapiere sind, erhält Ether damit eine Sonderstellung.

William Hinman, Direktor der Abteilung für Unternehmensfinanzierung bei der SEC, erklärte (frei übersetzt):

Aufgrund meines Verständnisses für den gegenwärtigen Zustand von Ether und dem Ethereum-Netzwerk und seiner dezentralen Struktur sind aktuelle Käufe und Verkäufe von Ether keine Wertpapiertransaktionen.

Hinman deutete auch an, dass andere Kryptowährungen oder Altcoins ebenfalls den Status eines Wertpapiers verlieren könnten, wenn die Struktur des Projektes ausreichend dezentralisiert ist. In den vergangenen Wochen hatte die SEC unter Führung von Jay Clayton noch erklärt, dass jeder ICO, den sie je gesehen habe, ein Wertpapier sei. Nach dieser Aussage erwarteten zahlreiche Experten, dass die SEC für Ethereum keine Ausnahme machen würde.

Die Erklärung von Hinman spiegelt jetzt jedoch auch unsere Argumentation wider, dass Ether kein Wertpapier sein kann, weil kein zentralisiertes Unternehmen hinter ETH steht, welches Gewinne durch die Ausgabe erzielen möchte. Zwar haben in 2014 viele Investoren ETH in der Hoffnung gekauft, dass der Wert steigen wird.

Der Erfolg stand dabei in enger Verbindung mit der erfolgreichen Entwicklung der Plattform, für die die Investoren Geld bereitgestellt hatten. Allerdings ist seitdem der Einfluss der Ethereum Foundation und der Gründer, erheblich zurückgegangen. Durch die ausschließliche Ausgabe von ETH über Mining und die Non-Profit Ethereum Foundation kann von einer dezentralisierten Struktur ausgegangen werden.

Hinman stelle diesbezüglich klar (frei übersetzt):

In Fällen, in denen es kein zentrales Unternehmen, welches in das Asset investiert ist oder in Fällen, in denen es nur verkauft wird, um digitale Werte in dem Netzwerk, auf dem es erstellt wurde, zu kaufen, ist dieses digitale Asset außerhalb des Zuständigkeitsbereichs der US-Wertpapiergesetze.

Bereits anfang dieses Monats gab der Vorsitzende des SEC, Jay Clayton, eine ähnliche Erklärung über Bitcoin ab, in der er erklärte, dass Bitcoin aufgrund seiner dezentralen Struktur kein Wertpapier im Sinne des amerikanischen Gesetzes ist. Die entscheidende Frage für die SEC scheint damit zu sein, ob der Wert der Kryptowährung von den Aktionen eines Dritten, eines Unternehmens abhängig ist, damit die Währung im Wert steigt. Wenn der ICO abgeschlossen ist und der Betrieb des Netzwerks vollständig dezentralisiert wird, wird die SEC aufhören, das Projekt als Wertpapier anzusehen.

Hinman sieht in ICOs ein Trend, um den Gesetzen und Regulierungsmaßnahmen aus dem Weg zu gehen (frei übersetzt):

Um Geld zu sammeln, um Netzwerke zu entwickeln, auf denen digitale Vermögenswerte betrieben werden, verkaufen Promoter die Kryptowährungen oft, anstatt Aktien zu verkaufen, Banknoten auszustellen oder Bankfinanzierungen zu erhalten. In vielen Fällen entspricht die wirtschaftliche Substanz jedoch einem konventionellen Wertpapierangebot.

Nachdem die Aussagen von Hinman öffentlich wurden, reagierte gestern Abend nicht nur der Preis von Ethereum, sondern auch der gesamte Kryptowährungsmarkt sehr positiv auf diese Nachricht. Der Ethereum Kurs klettere gestern Abend innerhalb von eineinhalb Stunden von rund 398 auf 448 Euro pro ETH.

Die Prüfkriterien der SEC

Im Folgenden hat die SEC eine Liste von Fragen veröffentlicht, um festzustellen, ob es sich bei einem ICO um ein Wertpapier handelt. Den Fragenkatalog haben wir frei übersetzt. Das Original in Englisch kann hier gefunden werden.

1. Gibt es eine Person oder eine Gruppe, die die Schaffung und den Verkauf der Kryptowährung gefördert hat, dessen Bemühungen eine bedeutende Rolle bei der Entwicklung und Pflege und seiner potenziellen Wertsteigerung spielen?

2. Hat diese Person oder Gruppe eine Beteiligung oder ein anderes Interesse an der Kryptowährung erhalten, so dass es motiviert wäre, Anstrengungen zu unternehmen, um eine Wertsteigerung der Kryptowährung zu bewirken? Würden Käufer vernünftigerweise davon ausgehen, dass solche Bemühungen unternommen werden und zu einer Rendite für ihre Investition in das digitale Asset führen?

3. Hat der Projektträger einen Betrag aufgestockt, der über das hinausgeht, was für den Aufbau eines funktionierenden Netzwerks erforderlich ist, und wenn ja, hat er angegeben, wie diese Mittel verwendet werden können, um den Wert der Token zu stützen oder den Wert des Unternehmens zu steigern? Fördert der Projektträger weiterhin Mittel aus Erlösen oder Operationen, um die Funktionalität und / oder den Wert des Systems zu verbessern, in dem die Token arbeiten?

4. „Investieren“ Käufer, um eine Rendite zu erzielen? Wird das Asset öffentlich verkauft, statt an potenzielle Nutzer des Netzes zu einem Preis, der in angemessener Weise mit dem Marktwert der Ware oder Dienstleistung im Netz korreliert?

5. Ist die Anwendung des Securities Act Schutz sinnvoll? Gibt es eine Person oder eine Organisation, auf die sich andere verlassen, die eine Schlüsselrolle bei der Gewinnerzielung des Unternehmens spielt, so dass die Offenlegung ihrer Aktivitäten und Pläne für die Investoren wichtig wäre? Bestehen Informationsasymmetrien zwischen den Projektträgern und potenziellen Käufern / Investoren?

6. Üben andere Personen oder Organisationen, als der Promotor Führungsrechte oder bedeutsamen Einfluss aus?

Über die vorangegangenen Fragen hinaus hat die SEC Fragen veröffentlicht, die sich ICO-Ausrichter stellen sollten:

1. Ist die Token-Erstellung angemessen, um den Bedürfnissen der Nutzer zu entsprechen oder werden vorrangig Spekulationsgeschäfte betrieben?

2. Setzen unabhängige Akteure den Preis fest oder unterstützt der Promoter den Sekundärmarkt oder beeinflusst er den Handel anderweitig?

3. Ist es klar, dass die Hauptmotivation für den Erwerb der Kryptowährung im persönlichen Gebrauch oder Konsum und nicht in der Investitionen liegt?

4. Sind die Token so verteilt, dass sie den Bedürfnissen der Nutzer entsprechen? Können die Wertmarken beispielsweise nur in Mengen gehalten oder übertragen werden, die der erwarteten Verwendung durch den Käufer entsprechen? Gibt es eingebaute Anreize, die die Verwendung der Tokens im Netzwerk sofort erzwingen, so dass die Token im Laufe der Zeit an Wert verlieren oder können die Tokens für längere Zeiträume für Investitionen gehalten werden?

5. Wird das Asset an potenzielle Nutzer oder die breite Öffentlichkeit vermarktet und verteilt?

6. Sind die Vermögenswerte auf eine vielfältige Nutzerbasis verteilt oder in den Händen einiger weniger konzentriert, die Einfluss auf die Anwendung haben können?

7. Ist die Anwendung voll funktionsfähig oder in einem frühen Entwicklungsstadium?


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