Auch die Türkei plant eine staatliche Kryptowährung „Turkcoin“

Wie gestern bekannt wurde, soll auch die Türkei eine staatliche Kryptowährung planen. Ahmet Kenan Tanrikulu, stellvertretender Vorsitzender der Nationalist Movement Party (MHP), hat den Vorschlag für einen Turkcoin veröffentlicht. Der Vorschlag sieht eine staatliche Kryptowährung in Form einer „asset-backed security“ vor, die durch Staatsvermögen in Form von Firmenanteilen gesichert ist.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Al-Monitor hat Ahmet Kenan Tanrikulu, stellvertretender Vorsitzender der Partei der Nationalistischen Bewegung; einen Bericht verfasst, um eine staatlich unterstützte Kryptowährung namens „Turkcoin“ vorzuschlagen.

Die MHP ist in der aktuellen Zusammensetzung des türkischen Parlaments lediglich die viertgrößte Partei in der Türkei. Im Zuge des Verfassungsreferendums im letzten Jahr ging die MHP aber eine informelle Koalition mit der AKP, um den Präsidenten Recep Tayyip Erdoğan, ein.

Bisher nahm die Türkei gegenüber Kryptowährungen eine eher unfreundliche Haltung ein. Die „typischen“ Argumente, dass Kryptowährungen ein Schneeballsystem sind, keinen intrinsischen Wert haben und illegale Aktivitäten fördern, waren dabei die Hauptargumente.

Tanrikulu von der MHP argumentiert nun jedoch, dass die Türkei Gesetze erlassen sollte, um den Markt zu regulieren und zu kontrollieren, um so Einnahmen für den Staat zu generieren:

The introduction of encouraging regulations after assessing all kinds of risks would enable us to generate revenues from the cryptocurrency market, especially from bitcoin. In this context, the country needs a bitcoin bourse and legislation to regulate this realm.

Er argumentierte weiter, dass die Türkei eine eigene Kryptowährung schaffen sollte, bevor es zu spät ist:

The world is advancing toward a new digital system. Turkey should create its own digital system and currency before it’s too late.

Laut dem Bericht von Al-Monitor haben das türkische Finanzministerium und der Kapitalmarktausschuss bereits mit der Arbeit an gesetzlichen Regelungen begonnen. Der Bericht sagt, dass der „Turkcoin“ laut Vorschlag der MHP eine Art forderungsbesichertes Wertpapier (englisch: Asset-backed security) vorsieht, d. h. eine Staatsanleihe, bei der die Zahlungsansprüche eines Gläubigers durch Forderungen gesichert werden.

Im Gegensatz zu Venzuela soll aber kein Öl oder Gold zur Sicherung der Ansprüche verwendet werden, sondern ein „Wealth Fund“ gegründet werden. In diesem könnte Staatvermögen in Form von Unternehmensanteilen, u. a. von Turkish Airlines, der Istanbul Stock Exchange, Botas, Turk Telekom, Ziraat Bank und der nationalen Lotterie als Sicherheit dienen. Die Kryptowährung würde in Summe mindestens genauso viel wert sein, wie das Vermögen im Wealth Fund.

Bereits in einem Interview vom 7. Februar machte der stellvertretende Ministerpräsident und Mitglied der Regierungspartei AKP, Mehmet Simsek eine Andeutung, dass die Regierung Vorbereitungen für eine nationale Kryptowährung treffen könnte („intends to do unique cryptocurrency work“). Insofern scheint die Schaffung einer staatseigenen Kryptowährung in der Türkei aus unserer Sicht durchaus nicht unwahrscheinlich.


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