Facebook Libra weiter in der Kritik – kommt jetzt der Eurocoin?

Die von Facebook angekündigte Digitalwährung Libra stößt innerhalb Europas, besonders in Deutschland und Frankreich, sowohl in der Politik als auch in der Bevölkerung auf starken Widerstand. Libra hat ein Vertrauensproblem, da es unmittelbar mit der Datenkrake Facebook in Verbindung steht. Die Europäische Union denkt darüber nach, den Eurocoin auf den Weg zu bringen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) könnte eine öffentliche digitale Währung herausgeben, berichtete Reuters am Dienstag unter Berufung auf einen Dokumentenentwurf. Dieser Schritt soll dem Einfluss von Libra, der kommenden stabilen Münze von Facebook, entgegenwirken. Nach einem vom finnischen EU-Vorsitz ausgearbeiteten Textentwurf könnte die Europäische Union einen gemeinsamen Rechtsrahmen für Kryptowährungen schaffen und sogar Projekte verbieten, die als „risikoreich“ gelten. Der erste Kandidat in dieser Kategorie von gefährlichen Krypto-Projekten ist Libra. Facebook stellte im Juni erstmals seinen PLan zur Ausgabe der Digitalwährung Libra vor. Allerdings stößt der Social Media Riese in vielen Ländern auf Widerstand. Frankreich und Deutschland sprachen sich umgehend gegen eine solche digitale Währung aus, die den Einfluss der EZB untergraben könnte.

Neben der gemeinsamen Kryptoverordnung deutet der Textentwurf auf die Schaffung einer digitalen Währung hin, die im Gegensatz zu Bitcoin und Libra eine Rechtsgrundlage hätte. Das Dokument führt aus:

Die EZB und andere EU-Zentralbanken könnten die Möglichkeiten und Herausforderungen der Ausgabe digitaler Währungen der Zentralbanken sinnvollerweise sondieren, indem sie auch konkrete Schritte in diese Richtung in Betracht ziehen.

Die EU-Finanzminister werden am Freitag zusammenkommen und den Entwurf voraussichtlich diskutieren. Schließlich können sie es auf ihrer nächsten Sitzung am 5. Dezember annehmen, sofern es keine Unstimmigkeiten gibt. Nach dem von Reuters veröffentlichten Entwurfsauszug zu urteilen, denkt die EU nur über diesen Schritt nach, aber die Chancen stehen gut, dass der Entwurf in geltendes Recht umgesetzt wird. Es scheint, dass die EZB Einfluss auf ihre eigene digitale Währung nimmt, da sie mehr Kontrolle über den Geldfluss anstrebt. Ein EZB-Beamter teilte mit, dass das Projekt es den Verbrauchern ermöglichen könnte, elektronisches Geld zu verwenden, das direkt bei der Zentralbank eingezahlt wird. Dies würde den Bedarf an Bankintermediären verringern oder sogar vollständig abschaffen.

Ohne Bankkonten und Bankintermediäre kann die EZB die Funktionen der Banken übernehmen, indem sie digitale Zahlungen zu niedrigen Kosten verwaltet. Offensichtlich werden sich die Banken einem solchen Szenario widersetzen, so dass der „digitale Euro“ wahrscheinlich anders aussehen wird als diese ehrgeizige Version. Wenn die EU tatsächlich ihre eigene digitale Münze auf den Markt bringt, wird dies eine Kehrtwende gegenüber der Haltung der EZB im Jahr 2018 bedeuten. Im vergangenen Jahr sagte der ehemalige EZB-Präsident Mario Draghi, dass es keinen Bedarf an digitalen Währungn gebe. Fraglich bleibt an dieser Stelle weiterhin, welche Kryptowährungen als gefährlich bzw. risikoreich eingestuft werden könnten.

Mitglieder der Bitcoin Communty zeigten sich besorgt, denken jedoch nicht das Bitcoin in Europa in nächster Zeit verboten wird. Es bleibt jedoch abzuwarten welche weiteren Schritte die EZB unternimmt, um Facebooks Libra den Kampf anzusagen.

Featured Image: Maradon 333 | Shutterstock

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