Gerüchteküche: Hat Bitfinex finanzielle Probleme? „Bitcoin Premium“ steigt

An einer der ältesten und womöglich umstrittensten Kryptowährungsbörsen, Bitfinex gibt es derzeit für Bitcoin ein Premium von bis zu 2 Prozent im Vergleich zu anderen Kryptowährungsbörsen, insbesondere zu all jenen, die keine Tether handeln. Über die vergangenen Tage stieg das Bitcoin Premium weiter an. Im gleichen Zeitraum verzeichnete der sonst so stabile Tether (USDT) einen Preisrückgang auf 0,98 USD. Was sind die Gründe dafür und welche Auswikungen könnte dies haben?

Während Bitcoin zum Redaktionszeitpunkt auf Bitfinex für 6.380,90 USD gehandelt wird, sind es bei BitMEX nur 6.237,00 USD, bei Coinbase Pro 6.243,92 USD und bei Binance 6.324,32 USD. Nach Angaben des Forschungsteams von BitMEX lag das „Bitcoin-Premium“ auf Bitfinex zeitweise bei fast 1,75% und soll noch weiter steigen. Börsen, die ebenfalls stark mit Tether handeln (z. B. Binance), haben aufgrund des Preisabfalls von Tether auf 0,98 USD auch annähernd ein 1 %-iges Premium.

Gerüchteküche: Bitfinex und Tether haben finanzielle Probleme

Wie wir in der Vergangenheit bereits berichteten, sind die Beziehungen zwischen Bitfinxex und Tether (USDT) ein anhaltender Diskussionspunkt in der Krypto-Gemeinschaft. Zwar ist spätetens seit den Panama Papers klar, dass Bitfinex und Tether von ein und derselben Person geführt werden. Streitfrage für viele Kritiker bleibt jedoch, ob der „Stablecoin“ Tether im Verhältnis 1 zu 1 mit Rücklagen in US-Dollar auf einem Bankkonto der Tether Limited abgesichert ist. Darüber hinaus gab es in den vergangenen Monaten immer wieder Stimmen und auch Studien, die behaupteten, dass Tether durch den Druck seiner USDT „aus dem Nichts“ den Kurs von Bitcoin maßgeblich manipuliert.

Die Gerüchteküche kam nun vor Tagen wieder ins Brodeln, als Bitfinex alle Nutzer der Börse aufforderte, wichtige Kryptowährungen wie Bitcoin und Ethereum statt mit Fiat gegen USDT zu kaufen oder zu verkaufen. Dazu wurden Fiat-Einzahlungen für eine Woche auf der Börse ausgesetzt. Hintergrund ist, dass Bitfinex seinen primären Bankingpartner verloren hat. Grundsätzlich wäre dies zwar nicht ungewöhnlich. Allerdings hat Bitfinex in der Vergangenheit schon mehrfach seinen primären Bankpartner verloren. Dazu kommt allerdings auch noch das nie stattgefundene Audit, welches beweist, ob und wo (bei welcher Bank) das Unternehmen hinter Tether die über 2 Milliarden US-Dollar Rücklage aufbewahrt.

Nachdem dieser Tage bekannt wurde, dass die Noble Bank aus Puerto Rico das Geschäft mit Bitfinex und Tether fallen ließ, begann sich der Preisaufschlag für Bitcoin bei Bitfinex zu bilden. Die Noble Bank, dessen Gründer Brock Pierce auch Realcoin (später Tether) gründetete und später an an die Tether Limited verkaufte, war ein langjähriger Partner von Bitfinex. Wie Larry Cermak zunächst berichtete, konnte sich Bitfinex zwar zunächst ein Geschäftskonto bei der HSBC, der siebtgrößten Bank der Welt, sichern. Wie Cermak später aber auch erklärte, kam die Partnerschaft dann nicht zustande. Dies schürte Gerüchte über die finanzielle Insolvenz von Bitfinex. Zwar erklärte Bitfinex, dass es „erwartet, dass sich die Situation innerhalb einer Woche normalisiert“. Allerdings scheinen die Gerüchte einer Insolvenz von Bitfinex und Tether den Markt derzeit sehr zu beunruhigen, da ein Crash den Markt für lange Zeit beeinflussen könnte.

Das Bitcoin Premium könnte ein Anzeichen dafür sein, dass Händler und Investoren versuchen, ihre Kryptowährungen auf andere Börsen „zu retten“, während Bitfinex dadurch mit geringerer Liquidität zu kämpfen hat und sich gleichzeitig um einen neuen Bankingpartner bemühen muss. Gleichzeitig deutet das steigende Premium auf ein wachsendes Misstrauen gegenüber Bitfinex und Tether hin.

Andere Gründe für das Bitcoin Premium

Neben den Gerüchten gibt es auch Stimmen die behaupten, dass Investoren einfach das Interesse an der Plattform verlieren und es sich nur um einen Fehlalarm handelt. Trader könnten zu anderen, geprüften und regulierten Stablecoins, wie Gemini USD und Pax wechseln. In Bezug auf den Preisabfall von USDT könnten Händler auch einfach ihre Tether verkaufen, um Kryptowährungen zu kaufen.

Wie immer gilt es daher Ruhe zu bewahren. Die Gerüchte um Bitfinex sind nicht neu. Preisschwankungen bei Tether (USDT) gab es auch bereits in der Vergangenheit.

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